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apparatus operandi – Synthesen lesen.

apparatus operandi ist ein conceptual art project von Jan-Peter E.R. Sonntag aus Setzungen in verschiedenen Formaten. Das Projekt stellt die wahrnehmungsgenerative Potenz von Apparaten in Frage. Sebastian Döring entwirft und erwägt die archäologischen Fugen und Glieder des Projekts.

1.) Ausgangspunkt

Im Deutschen Literaturarchiv in Marbach (DLA) finden wir einen DIY-Modularsynthesizer. Eines der fünf Module kommt im Literaturmuseum der Moderne in einer Vitrine zur Ausstellung. Die vier übrigen Module stehen neben Bastelwerkzeug, einer Hifi-Anlage und anderen Dingen in einem metallenen Schrank. Neben diesem Schrank steht noch ein weiterer Schrank und um ihn stehen historische Möbel und hängen gerahmte Gemälde. Hauptgebrauch der Schränke ist weniger das Öffnen, mehr das Verwahren.
Der Synthesizer hat einem zum Kulturwissenschaftler gewordenen theoretischen Literaturwissenschaftler gehört. Deshalb steht er dort im DLA. Selbst gebastelt, in Büro und Privatwohnung ausgestellt und mindestens eine Schaffensperiode lang immer wieder in Erzählung und Text aufgerufen. Dieser Synthesizer ist das Subjekt einer Spurensuche zwischen Deskription und Forensik. Diesen Spuren folgend suchen wir nicht etwas. Wir folgen den Spuren und lassen sie Anlass sein für Handlungen im Hier und Jetzt.

2.) Umsetzung

Jetzt und hier sind wir gebeten, einen Einblick zu geben, wie solche Spurensuche aussieht. Wir beantworten die Einladung zu diesem Workshop mit einigen Details und Betrachtungen zum Rhythmusgenerator, der (für Synthesizer eher unüblich) im ersten Modul verbaut ist, und mit der ersten Annäherung an eine separate Platine. Diese Platine ist voll aufgebaut und bestückt, und sie ist Bestandteil eines in weiten Teilen vollständigen, aber nicht mehr bis zu Ende aufgebauten sechsten Moduls. Die Bauteile dieses unvollendeten Moduls liegen nicht in Marbach, sondern wurden dem apparatus operandi-Archiv übereignet, so dass wir an diesen Bauteilen keine konservatorischen Vorgaben zu missachten brauchen.

Auf Kittlers Schreibspuren, mit scharfem Blick und wachem Ohr, mit und gegen Kittler an Nietzsche vorbei und über Foucault hinaus, gilt es nicht schlicht den Modularsynthesizer einer Vivisektion zu unterziehen. Über das Denken und Dichten von Hardware betreiben wir an den nachgelassenen Corpora Philologie, Kittler-Exegese. Schaltungsgrammatologie. „Sie haben Recht – unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.“ (KSB, III, 1, 172.)

www.apparatus-operandi.org/
audio.uni-lueneburg.de/downloads/Synthesen_Lesen_Programm.pdf

Produktionspartner des Beitrags Synthesen lesen von apparatus operandi am 19./20. Februar 2014 am Digital Cultures Research Lab der Leuphana Universität Lüneburg ist neuropolis-berlin.de.