Medientheater macht Medien zum Gegenstand des Theaters.

Die medialen Apparate und Techniken schreiben sich auf layer zero in Kommunikation ein. Dabei ist es sinnfrei, Termini wie Manipulation heranzuziehen, denn Medien sind die Grundlage jeder Kommunikation. Das Medium ist nicht einfach ein bestimmter Faktor; wenn schon, dann ist es der bestimmende Faktor: the medium is the message.


Ein Medium lässt sich immer nur aus einem anderen Medium beschreiben. Das gilt für seine Funktionalität wie für sein Zustandekommen. Der Phonograph kann Schallschwingungen speichern und reproduzieren, und also kann er auch sprechen; verstanden werden kann er aber erst, wenn er innerhalb seines Verbunds und als Teil eines Aufschreibesystems erkannt wird. Ohne Telephon und ohne Telegraph nämlich ist der Phonograph nicht denkbar.
Das Theater vermag es nicht nur Narration zu inszenieren, sondern es kann Signalprozesse sinnlich erfahrbar machen und schafft einen nichtnarrativen Zugang zu jenem Signalraum, der seit dem 19. Jahrhundert positiv unbewusst unsere Welt in/form(at)iert und seit der Heraufkunft des Computers zum abstrakten Datenraum eskaliert und unverstanden bleibt.


Medientheater ist nicht Theater in einer Medienwirklichkeit und qua Verarbeitung von Sinnüberschuss allein deshalb (immer) schon Medientheater. Medientheater ist es nur insofern, als es die operativen Artefakte von Sinnproduktion in den Blick nimmt und ihre Strukturen aufzeigt: expliziert, was in ihnen schon immer mitkommuniziert ist. Medientheater ist eine Methode, die im Geiste Fröhlicher Wissenschaft mediale Vivisektionen zelebriert.


Die feierliche Sektion von Medien durchzuführen, heißt auch immer nach der Verfassung des (menschlichen) Daseins zu fragen. Wenn Gesellschaft ihre Kommunikation und Kommunikation ihre Medien ist, haben wir auf der Strecke etwas verloren.

Weiterlesen==> Medientheater: Ästhetische Praxis<==

Sebastian

,

---